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BORIS LURIE: Einige Bemerkungen | New York | 07-08

Ich erlaube mir einige BEMERKUNGEN . . .

7. August 2000
An Dr. Volkhard Knigge
Buchenwald Gedenkstaette
Weimar

Lieber Volkard Knigge!

Ich erlaube mir einige Bemerkungen/ Ergaenzigungen zu Ihrem ausgezeichneten Artikel*, welches ich von Dietmar Kirves erhalten habe.

Der Text liegt hier bei und Vermerke sind schriftlich beigezeichnet, die ich jetzt klarer formuliere und auch erweitere.

/ "1926 zog die Familie nach Riga ..."

/ "Mutter und Schwester und weitere Verwandte (und Jugendfreunde) sind in den Mordgruben von Riga-Rumbula ermordet worden ..."

/ "Raum mit brennendem Krematoriumsofen..." Es war eine Invaliden-Baracke von sowjetischen Kriegsgefangen, die da bestraft wurden & Wache halten mussten ..."

/ "Margaret Burke-White".

/ "Art SpiegeIman ..." Lurie haelt das Comic-Buch "Maus" als reinste verschmaehende Holocaust -Exploitation. Auch weil sich verstecken, mit taeglicher Gefahr, eine Heldentat und nicht Mausetat war. Auch, weil der juedische Akzent im Englischen seiner Eltern billig verspottet wird. Nicht unerwartet war es in juedisch - amerikanischen ‚liberalen' Kreisen ein Hoechsterfolg. (Was keineswegs in juedisch-religoesen oder richtig - zionistischen Kreisen der Fall gewesen sein duerfte).

/ "... grossformatige abstrakte Arbeiten, die formal an Léger manchmal auch an Matisse
(?? wirklich, kaum!)" oder auch Michelangelo -- wie im grossen Wandbild "3 Figuren auf dem Dach" mit erhaengter Figur auf einem Hakenkreuz und Luftangriff-Sirene.

/ "Jasper Johns ..." war damals 1951-1952 "ueberhaupt nicht da"! und Jackson Pollock, was man auch von ihm nicht haelt, war keineswegs ein "SaIon-Kuenstler" ...

/ "Erstens weigert er sich -- bis heute -- seine Arbeiten dem Markt preiszugeben..." Erlaeuterung: Ich weigere mich ueberhaupt nicht, aber ich weigere mich aktiv Geschaeft mit meiner Kunst zu treiben, wie es die meisten Kuenstler tun -- und dies aus praktischen Gruenden, weil die allermeisten Kuenstler einen zu grossen Teil ihrer Energie damit vergeuden muessen -- als aktive Verkaeufer taetig zu sein -- und noch im Kleinverkauf! Auserdem, lief mir der Markt niemals nach und bestimmt ist das auch auf den offenen un "verkapselten" Inhalt zurueckzufuehren. Auch schenke ich nichts an Museen u.s.w . wie es die meisten Kuenstler machen um bekannt zu werden, da die Museumsleute die selber auf Gehaeltern stehen, es sich erlauben koennen zu zahlen ... Dann -- die wenigen Sachen die ich verkauft habe, an "unwichtige" Personen auserhalb des aktuellen Kunstbetriebs, sind alle verschollen -- die haette ich jetzt gerne zurueckgekauft. Dann noch, falls Museen, Sammler und Spekulanten was kaufen wollen, sollten sie den richtigen Preis bezahlen -- d.h. einen Preis der in irgendeinem Verhaeltnis zu den Kunstgroessen wie Rauschenberg oder Jasper Johns stehen -- was ihrerseits natuerlich kunst-oekonomisch durchaus dumm waere.

/ Ihre Seite "1" unter Galerien etc. wo ich in Deutschland ausstellte: "... und Haus am Kleisthof, Berlin und "Endart" Galerie, Berlin, alles 1998; seit 1975 bei der Galerie Armin Hundertmark, Berlin/KoeIn, sowie bei Galerie Inge Baecker in Bochum ausstellte, sowie Karlsruhe Kunstverein (Jahr ??) mit Wolf Vostell in der Ausstellung 'Kunst und Politik', sowie "An der Wand" internationale Graffiti-Ausstellung im Kunstverein .... (Jahr ??).

/ Anmerkung, Ihre Seite "2": Gefangenschaftsorte: Riga-Getto, Riga-Arbeitslager, Riga-Wehrmacht, Riga SD-Werkstaetten Lenta, Riga-Salaspils (welches von deutschen Juden errichtet wurde ...) Stutthof bei Danzig und BuchenwaId-Magdeburg -- von wo er entlaufen war.

/ Anmerkung, Ihre Seite "2": "... in einer wohlhabenden juedischen Kaufsmannfamilie geboren ..." dabei koennte ich erwaehnen, dass meine Mutter schon waehrend des Ersten Weltkrieges Zahnaerztin war -- in Berlin studierte und dass mein Vater da auch einige Zeit eine Zweigstelle hatte ...

/ Anmerkung, Ihre Seite "3": "... 'Avantgardekuenstlern' ..."

/ Anmerkung zu Ihrer Seite "6": "... die doppelt Verratenen, zwischen Hitler und Stalin ..." Wenn ich das geschrieben haette, haette ich gesagt -- "zwischen Hitler und den U.S.A. ..." Statt "oestlicher und westlicher politischen Provenienz ..." haette ich gesagt, statt faschistischer oder westlichen politischen Provenienz. "Stalin" ist fuer mich kein revolutionaeres Schreckgespenst, doch auch derjenige der "einzighaendig" die Welt vom faschistischen Mord befreit hat. (Dabei sind auch manche meiner Verwandten in den Gulags umgekommen).

/ Es sollte sein: "... unter versternten Hakenkreuzen".

/ "Das vierte Element der NO!art ...": "Jew-art" - wurde von unfreundlichen Zuschauern der NO!art (so mit "mildem" antisemitischem Ueberton benannt.

/ "Aufkuendigung der Grundsolidaritaet des Menschen mit dem Menschen ..." "... von Deutschland aus ..." haette ich gesagt, gleich wie von anderswo -- das heisst nicht nur der Beteiligung doch auch eigenhaendiger Unternehmungslust anderer Voelker (oder nur VoeIkerschichten) wie z.B. lettischer, litauischer, estnischen u.s.w. welches auch auf religioesem-christlichen, nicht nur von Klassenbasis angeheizt wurde.

/ "Geschichte des Nationalsozialismus hinaus ...": und z u r u e c k (d.h. in alte "christliche" Lehren ...)

Mit waermsten Gruessen, Ihr:
gez. Boris Lurie

PS. Uebrigens habe ich, als altgeriebener (doch leider nicht zu grosser) "Boersenspekulant" gerade jetzt viele Nachfolger zwischen deutschen Kuenstlern/ Kri tikern, die mich um Rat befragen. Also war ich dabei auch -- bei der Avantgarde!

weiterführend: linkVorwort von Volkhard Knigge zu "NO!art in Buchenwald"

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